Weltnaturerbe Wattenmeer

Um auf die Weltnaturerbe-Liste der UNESCO zu kommen, muss ein Gebiet sehr besonders sein. Es muss einzigartige Naturwerte besitzen, intakt und durch gute Schutzmassnahmen gesichert sein. Das Wattenmeer hat sich sogar in drei Gesichtspunkten als weltweit einzigartig erwiesen, was seine außergewöhnliche Natur betrifft!

Das Wattenmeergebiet ist noch jung. Es ist nach der letzten Eiszeit vor rund 7000 Jahren entstanden, aber auch heute noch werden Sandplatten und Dünen in vergleichsweise raschem Tempo gebildet und wieder abgebaut. Die Dynamik des Gebietes ist einzigartig. Hier findet man noch Landschaften in allen Entwicklungsstadien. Noch heute kann man mit eigenen Augen sehen und miterleben, wie Landschaften in der Eiszeit entstanden sind.

Das Wattenmeer zeigt auf seine eigene Art und Weise, wie Natur, Pflanzen und Tiere sich immer wieder an die täglich wechselnden Bedingungen auf dem Watt anpassen. Dort, wo sich Süßwasser aus Flüssen mit salzigem Meerwasser vermischt und wo Naturkräfte wie Gezeiten, Wind und Ablagerungsprozesse von Sand und Schlick walten, findet man intelligent angepasste Pflanzen und Tiere. Die vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen des Wattenmeers bieten Lebensraum für eine außergewöhnliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren – Lebensraum zum Brüten, Säugen, Aufwachsen, Mausern und Rasten.

Der Reichtum an Leben im Wattenmeer ist außergewöhnlich. Man findet hier nicht nur viele dauerhafte Bewohner, sondern auch zahlreiche Besucher. So nutzen jedes Jahr rund 10 bis 12 Millionen Zugvögel das Wattenmeer. Insgesamt leben hier rund 10.000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten, an Land und im Wasser. Eine derartige Vielzahl und Vielfalt wie im Wattenmeer findet man nirgendwo auf der Welt!

Menschen sind schon seit Jahrtausenden mit dem Wattenmeer verbunden. Sie haben zur Entwicklung des Gebietes beigetragen. So wurden unter anderem Salzwiesen eingedeicht, um Weide- und Ackerflächen zu gewinnen; zum Schutz des Landes wurden Deiche gebaut.

Noch immer nutzen Menschen das Gebiet. Fahrrinnen werden zum Transport von Gütern genutzt, es werden Fische, Garnelen und Miesmuscheln gefangen, und zu den Inseln fahren Fähren, auf denen Bewohner und Urlauber befördert werden. Menschen genießen und erholen sich im Wattenmeer. Auf den trocken fallenden Wattflächen finden Wattwanderungen statt und in den Prielen wird gesegelt.

Das Wattenmeer hat eine große kulturelle Vergangenheit, die für das Gebiet wichtig ist. Doch aufgrund der einzigartigen Naturwerte, die weltweit als erhaltenswürdig angesehen werden, wurde das Wattenmeer zum Weltnaturerbe ernannt.

Alle diese besonderen Eigenschaften des Wattenmeeres und die große, einzigartige Vielfalt von Pflanzen und Tieren im Gebiet sind für uns alle von großer Bedeutung. Man kann die Ruhe und Weite erfahren, und man kann miterleben, wie einzigartig sich die Dynamik der Gezeiten in dieser Größenordnung auswirkt. In wenig anderen Gebieten auf der Welt ist es möglich, die Naturkräfte derart ungebremst zu erfahren, die die Umgebung täglich wieder verändern. Diese intensive Erfahrung, sowohl für Bewohner als auch Besucher, ist Bestandteil des besonderen Erlebniswertes des Wattenmeeres.

Zudem gibt es kein Meer auf der Welt, in dem so viel und so lange geforscht wurde und über das so viel bekannt ist. Dieser Schatz an Informationen macht das Wattenmeer besonders wertvoll für Bildung und Wissenschaft. Auch heute noch wird in großem Umfang geforscht. So kann nur hier der Vogelzug aus Afrika in so einem großen Maßstab untersucht werden. Und was Wissenschaftler können, können andere auch! Das Wattenmeer ist für jeden ein ausgezeichneter Ort, um mehr über das Meer und seine Umgebung zu lernen.

Das Weltnaturerbe Wattenmeer umfasst in Niedersachsen das Gebiet des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Dieses zwischen Dollart und der Elbe gelegene Gebiet ist 2766,6 km² groß, inklusive der Gebiete auf der offenen Nordsee bei Borkum und Baltrum. Diese Nordseegebiete sind wichtig für Trauerenten, die hier mausern. Und hier liegt auch das Borkumriff mit Überresten aus der letzten Eiszeit, die noch heute die Meeresströmung in diesem Teil des Wattenmeeres bestimmen. Das Borkumriff ist außerdem für zahlreiche Tiere ein idealer Lebensraum.

In Deutschland gibt es viele Salzwiesen. Früher wurden zahlreiche dieser Gebiete von den Menschen eingedeicht. Außerhalb der Deiche wurden nach deren Bau neue Salzwiesen angelegt. Sie helfen mit beim Schutz des Hinterlandes und sind gute Wellenbrecher. Vor allem in stürmischen Zeiten erweisen sie ihren Dienst! Salzwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Hier leben viele seltene Arten.

Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gibt es drei Buchten, die mit dem Wattenmeer in Verbindung stehen: Dollart, Leybucht und Jadebusen. Der Einfluss der Flüsse Ems und Weser sind im Dollart und Jadebusen stark fühl- und sichtbar. Aber auch die weiter nördlich gelegene Elbe lässt die Landschaft nicht unberührt. Durch die langsame Mischung von süßem Flusswasser mit salzigem Meerwasser in diesem Gebiet entsteht Brackwasser, in dem einzigartige, zum Teil seltene Pflanzen und Tiere vorkommen. Sie haben sich darüber hinaus an die sich extrem verändernden Umstände angepasst, die das Watt so besonders machen. Unter diesen wechselnden Umständen entwickelt sich ein sehr exklusiver Lebensraum. Für Fische wie die Flunder ist es eine Kinderstube. Auf den Salzwiesen findet man etwa 400 Insektenarten, die sich speziell an 25 Pflanzenarten angepasst haben. Das Insektenleben der Salzwiesen im Wattenmeer – das findet man sonst nirgendwo!

Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gibt es die neue Insel Kachelotplate. Das Meer hinterließ auf der ehemaligen Sandbank so viel Sand, dass sie allmählich zu hoch wurde, um bei Flut  überströmt zu werden. Hier wächst sogar Gras und es bilden sich kleine Dünen. 2003 wurde die Kachelotplate darum zu einer Insel erklärt. Damit ist dies eines der besten Beispiele für die Entstehung von neuen Landschaften im Wattenmeergebiet!

Quelle: weltnaturerbe-wattenmeer.de

Das Wattenmeer wird jährlich von mehr als 10 Millionen Touristen und von 30 Millionen Tagesgästen besucht und ist damit eine der wichtigsten arbeitsplatzgebenden Branchen der Region.