Wittmund mit Meer und mehr

Kurs Nord-Nordwest und dann immer geradeaus: Für eingefleischte Nordsee-Fans gibt es dazu ein- oder mehrmals im Jahr keine Alternative. Aber auch immer mehr Familien, Singles oder Pärchen mit Anspruch, die es bisher „in die Ferne“ zog, entdecken das Land am Meer und gehen dann nicht selten dort vor Anker, wo die ersten Möwen am Himmel auftauchen und die salzige Seeluft auf den Lippen bleibt. Die Kreisstadt Wittmund mit ihrer über 1100jährigen Geschichte ist heute einer der beliebtesten Startpunkte für die Entdeckung Ostfrieslands.

Die unmittelbare Nähe zur Nordsee, zum Nationalpark Wattenmeer, zu den ostfriesischen Inseln und zu den geschichtsträchtigen Zeugen der norddeutschen Vergangenheit machen Wittmund zu einem der zentralsten Ausgangspunkte für den erholsamen und gleichermaßen erlebnisreichen Urlaub. Schon in der Stadt selbst, die mit knapp 8000 Einwohnern noch recht überschaubar und urtümlich ist, reiht sich ein sehenswertes Ziel an das nächste. Während die Kids sich von den zahlreichen Spielgeräten in der Stadt animieren lassen, entdecken die „Großen“ neben beeindruckenden Fassaden alter Bürgerhäuser, die bis ins Jahr 1733 zurückreichen, das Heimatmuseum mit der ältesten Gallerieholländermühle Deutschlands oder ein Stück der historischen Stadtmauer.

Die Entstehungsgeschichte der heute blühenden Kreisstadt beginnt um 900 mit dem Bau einer Holzkirche direkt am Rand des fruchtbaren Marschlandes auf einem Geestrand. Nach der Marcellusflut 1370, die den „Blanken Hans“ aus der Harlebucht bis an die Grenzen Wittmunds bringt, herrschen mehrere ostfriesische Häuptlingsgeschlechter, die Preußen, die Könige von Hannover und Kaiser Friedrich der Große über die Geschicke Wittmunds. Um 1885 wurde von hier aus sogar das benachbarte Wilhelmshaven verwaltet!

Wenn die Besucher der Stadt heute nach einer ausgiebigen Wattwanderung oder Fahrt mit dem Raddampfer in Harlesiel, einem Besuch auf einer der Inseln oder ganz einfach vom Strand zurückkommen, erwartet sie in Wittmund das passende Anschlussprogramm. Die einen entdecken den „Hands of Fame“ in der Fußgängerzone, für andere ist der Schlosspark mit Wall und Graben das passende Kontrastprogramm und wieder andere finden in den lauschigen Gaststätten, Cafés oder Biergärten die Entspannung, die sie sich verdient haben.

Damit während des Urlaubs im Norden die kulinarischen Spezialitäten den Gang auf die Waage nicht zur bösen Überraschung werden lassen, bietet Wittmund das optimale Kontrastprogramm: Rad- und Wanderwege, Reitgelegenheiten, Segelgewässer, Angelsportreviere, Kanustrecken oder das Freizeit- und Erlebnisbad Isums sorgen schnell dafür, dass dem ursprünglich geplanten Urlaub schnell noch eine zusätzliche Woche im Herbst oder Frühjahr folgt. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten, als dass man sie in einem Urlaub komplett entdecken könnte.

Die Entscheidung für einen „Zweiturlaub“ in Wittmund wird übrigens durch die markante Witterung jenseits des Sommers mehr als nur unterstützt: Die salzhaltige Seeluft und der oft raue Wind des Herbstes sind für viele Gäste dieser Jahreszeit der Garant für einen erkältungsfreien Winter. Dass auch außerhalb der klassischen Saison in Wittmund und Umgebung keine Langeweile aufkommt, dafür garantieren neben dem einmaligen Landschaftserlebnis zahllose Museen, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen und schließlich die Nordsee selbst. Sie präsentiert sich im täglich mehrfach wechselnden „Kleid“ und animiert Stunde um Stunde zum Hinschauen und Genießen.

„…so ostfriesisch“ wie Wittmund sich seinen Besuchern präsentiert, so natürlich und bodenständig sind auch die Menschen, die hier leben, geblieben. Mit ihrer herzlichen Art heißen sie Gäste aus aller Herren Länder willkommen und zeigen gerne, dass sie stolz auf ihre Heimat sind – Ein Gefühl, das sich schnell auf jeden Urlauber überträgt!

Ostfriesenabitur – eine ganz besondere Auszeichnung

Das Ostfriesenabitur stammt ursprünglich aus der ostfriesischen Stadt Wittmund. Es wird dort seit 1978 als touristische Attraktion angeboten und hat nichts mit dem schulischen Abitur zu tun. Das Ostfriesenabitur setzt sich aus mehreren traditionellen kulturellen Bräuchen zusammen. In der Regel wird es von Touristen oder zugezogenen „Nicht-Ostfriesen“ als eine Art Einbürgerungstest absolviert. Im Vordergrund der in etwa vierstündigen Veranstaltung steht hier der Spaß, und nebenbei lernt man einen Teil der ostfriesischen Kultur kennen. Voraussetzung ist leichtes und sportliches Schuhwerk, damit man im Freien an folgenden Disziplinen teilnehmen kann:

Plattdeutsch (mündliche Prüfung)
Straßenweitboßeln (Ostfriesischer Nationalsport, die weiteste Boßelkugel gewinnt)
Löffeltrunk (Herzhafter Schnaps aus einem Zinnlöffel getrunken)
Kuhmelken
Straßenzielboßeln (Ostfriesischer Nationalsport, mit Zielkegeln vergleichbar)
Bessensmieten (Strauchbesenwerfen)
Balkenlaufen (alternativ zum Padstockspringen)
Padstockspringen (Grabenüberquerung mithilfe eines langen Stabes)
In einer Gastwirtschaft finden danach die Fächer

Ostfrieslandkunde (schriftliche Prüfung nach einem Kurzvortrag)
Krabbenpulen (Granat aus der Nordsee)
Teetrinken (Teerunde mit ostfriesischer Teezeremonie)
statt.

Nach Beendigung aller Disziplinen und bestandener Prüfung wird ein Abiturzeugnis ausgestellt und zum Lohn gibt es ein Glas echt ostfriesische „Bohnensopp“, hergestellt nach echt ostfriesischer Tradition.

An dem touristischen Angebot in Wittmund ist in der Zeitschrift Ostfriesland-Journal kritisiert worden, es würden dabei „kulturgeschichtlich bedeutsame Alltagspraktiken einer Region aus lebendigen Kontexten gerissen und als Fragmente der Belustigung verkauft“.

Der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler antwortete im Februar 2009 in einem Interview auf die Frage, ob er als „vollwertiger Niedersachse anerkannt“ werde sarkastisch: „Spätestens seit ich das Ostfriesenabitur gemacht habe“.

Nach Auskunft der Wittmunder Tourist-Information hat es bis 2007 innerhalb von 3 Jahrzehnten 150.000 Absolventen gegeben.

Quelle: Wikipedia