Öffentliche Besucherführung durch die aktuelle Ausstellung „Halbinsel der Seligen“

Die Führung widmet sich Franz Radziwills Liebe zu Flora und Fauna. Das kleinste Gemälde in der Ausstellung ist zugleich das zentrale Motiv: Es zeigt – laut seinem Titel – das „kleine Vogelschutzgebiet“ und entstand im Jahr 1960. Sein Schöpfer, Franz Radziwill, ging als virtuoser Einzelgänger in die Kunstgeschichte ein. Doch über die Malerei hinaus engagierte er sich aktiv für den Erhalt der ursprünglichen Küstenlandschaft, die die fundamentale Inspirationsquelle seiner Kunst war. Viele Jahre lang hatte Franz Radziwill versucht, der Entwicklung von Dangast vom beschaulichen Seebad zum austauschbaren Feriendomizil entgegenzuwirken. Für den weit reichenden Landschaftsschutz am Jadebusen hat Radziwill einen entscheidenden Anstoß gegeben. Und heute ist das ehemalige Vogelschutzgebiet, das als kleines Ölbild im Künstlerhaus zu sehen ist, Teil des großartigen Weltnaturerbes Wattenmeer.

Termin: Sonntag , 5. Oktober 2014 um 11:30 Uhr

Kosten: Erwachsene 3,00 € zzgl. Eintritt 3,50 (Schüler/Studenten 1,50 zzgl. 2,00 €)

Landschaft im Wandel – Franz Radziwills Blick auf die Natur

Öffentliche Kuratorenführung durch die Ausstellung „Halbinsel der Seligen“

Als Franz Radziwill im Jahr 1920 den Ort Dangast kennenlernte, war dieser ein Kleinod inmitten ursprünglicher Landschaft. 1923 kaufte er sich hier ein kleines Fischerhaus. Die spröde Nordseeregion, die von den Gezeiten beherrscht wird, blieb zeitlebens die fundamentale Quelle seines künstlerischen Schaffens. Schon die Brücke-Maler ließen sich von dem idyllischen Ort inspirieren, der wie eine Halbinsel in den Jadebusen ragt. Umso skeptischer registrierte Radziwill den allmählichen Wandel des Ortes, als mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Tourismus in seine Wahlheimat einbrach und Wohnwagenkolonien den Küstenstreifen bedeckten. Als Künstler der Gegenständlichkeit verpflichtet, war es nur konsequent, dass Radziwill jegliche Eingriffe des Menschen in den Naturraum zum Thema seiner Malerei machte. Sein „symbolischer Realismus“ wurde zur eindringlichen Botschaft seiner Anklage gegen den vermeintlichen Fortschritt. Schließlich erscheint die freie Sicht auf die Landschaft, die gegenüber den frühen Gemälden nachvollziehbar ist, eingeschränkt oder schlicht verbaut. Mit dem zivilisationskritischen Spätwerk gilt Franz Radziwill (1895-1983) als Chronist seiner Zeit. Er war einer der ersten Künstler der deutschen Nachkriegsära, der Themen wie Naturverlust und Umweltzerstörung in die eigene Kunst einbrachte. Damit schuf er Motive, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben.

Die Kuratorin Birgit Denizel erläutert den Wandel der Motive Radziwills und spricht über sein vehementes Engagement im Naturschutz.

Termin: Sonntag , 7.September 2014 um 11:30 Uhr

Kosten: Erwachsene 3,00 € zzgl. Eintritt 3,50 (Schüler/Studenten 1,50 zzgl. 2,00 €)

„IN DER NÄHE DES PARADIESES – Der Maler entdeckt die Natur“

Ab dem 24. März 2013 widmet sich die Franz Radziwill Gesellschaft dem zentralen Sujet im Oeuvre des norddeutschen Künstlers: der Natur. In zwei aufeinander folgenden Jahresausstellungen – 2013 und 2014 – kontrastieren frühe Bilder urwüchsiger Landschaft mit harter Zivilisationskritik.
Für Franz Radziwill war das Naturerlebnis existenziell. Land und Meer, Flora und Fauna stellten als Inspiration und Kraftquelle das Kontinuum seiner Malerei dar. Initialzündung für die Hingabe an die Natur war das selbstgewählte Leben in Dangast nahe der Nordseeküste. In der spröden Region, die von den Gezeiten beherrscht wird, ließ er sich im Jahr 1923 für immer nieder. Dangast war für den Künstler eine magischer Ort und Fundament seines künstlerischen Schaffens zugleich.
Im ersten Teil der Gesamtschau werden Motive präsentiert, die noch eine harmonische Verbindung von ursprünglicher und kultivierter Natur vermitteln. Intensiv widmete sich Franz Radziwill den Ansichten seiner unmittelbaren Umgebung. Getreidefelder und Äcker, Deich und Strand wurden großformatig auf die Leinwand gebracht. Nicht nur in Dangast, auch andernorts – an der östlichen Küste bei Hohwacht oder im holländischen Schoorl – war es stets die Landschaft, die ihn faszinierte. Nur selten als unberührte Idylle erfasst, wird die Natur vielmehr als elementar menschlicher Daseinsraum dargestellt, in dem dörfliche Gefilde oder einzelne Reetdachhäuser eingebettet sind. Neben weiträumigen Panoramen, die den Blick bis zum Horizont gewähren, entstand eine Vielzahl ausschnitthafter Nahsichten. Gräser und Pilz, Spatz und Vogelnest lassen eine sensible Beobachtungsgabe und künstlerische Detailfreude spürbar werden. Die kleinformatigen Ölbilder erscheinen wie Momentaufnahmen einzelner Entdeckungen und belegen gleichsam den Einfluss der botanischen Studien Albrecht Dürers.
Nachdem Radziwills Frühwerk sich deutlich vom Expressionismus geprägt zeigt, wurden die Werke ab Mitte der 20er Jahre detailgetreuer komponiert. Damit folgte eine verstärkte Ausrichtung an altmeisterlicher Malweise, die der Künstler in seinem Spätwerk mit einer eigenwilligen Symbolik zusammenführte und zur Perfektion brachte. Doch während sich die Formen seiner Anschauung wandelten, blieb der Gehalt davon unberührt: Natur in all ihren Facetten stand im Mittelpunkt der Wahrnehmung und findet sich auch in den Stillleben in Form einer Blüte oder Frucht wieder
Rund 30 ausgewählte Leihgaben aus Museen und Privatbesitz werden in der aktuellen Ausstellung präsentiert. Ansichten der nordwestlichen Küstenregion bilden den Schwerpunkt der Werke, die aus der Zeit zwischen 1920 und 1958 stammen.

Zur Darstellung eines positiv empfundenen Naturraums tritt in den späten 50er Jahren die Kritik ihrer problematischen Störung durch den Menschen, deren bildnerische Umsetzung in der Ausstellung 2014 ausführlich behandelt wird. Im Rahmen der Gesamtschau ergibt sich damit ein Zeugnis von einst gelebter Naturverbundenheit in ländlicher Sphäre und den Auswirkungen von Technisierung und Urbanisierung sowie dem aufkommendem Massentourismus an der Nordseeküste.

Im zweiten Teil des Projekts stehen Werke im Vordergrund, die eine kritische Stellungnahme des Malers zur Umweltgefährdung wiedergeben. Daneben wird das aktive Engagement des Künstlers im Schlossmuseum Jever ausführlich dokumentiert. Über das Kunstschaffen hinaus setzte sich Franz Radziwill in seiner Wahlheimat aktiv für den Erhalt der Wattenregion ein.
BEGLEITPROGRAMM
Veranstaltungen im Franz Radziwill Haus
Beginn jeweils 11.30 Uhr
Teilnahme pro Person 3,00 € zzgl. Eintritt | Mitglieder frei

19.Mai 2013 Spielarten der Gegenwartskunst -Malen zwischen Tisch und Bett
4. Dangaster Künstlergespräch mit Jan Bouman und Beatrix Fey, Enschede/NL

9. Juni 2013 Zwiegespräche
Kammermusik, Violoncello-Duo Ralph-Detlev und Angelica Jerzewski, Bremen

14. Juli 2013 Faszination Wattenmeer
Vortrag mit Lars Klein, Leiter Nationalparkhaus, Dangast

11. August 2013 Natur im Auge des Malers – Von der Antike bis zum Expressionismus
Vortrag von Stephanie Gans M.A., Hamburg

25. August 2013 „Kein Bild von mir ist ohne Dangast möglich”
Vortrag von Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, Weingarten/Karlsruhe

8. September 2013 Erlebnis Dangast
Lesung aus Briefen Franz Radziwills an Wilhelm Niemeyer
mit Ivo Kügel, Oldenburg und Konstanze Radziwill, Dangast

20. Oktober 2013 ImGras erwacht das Dunkel
Lyrik von Inge Buck, Ulrike Kleinert, Anna Inge Radziwill,
gelesen von Inge Buck, Ulrike Kleinert, Bremen und Konstanze Radziwill

17. November 2013 Kuratorenführung
Birgit Denizel M.A., Oldenburg

1. Dezember 2013 Adventsmatinee
Lesung und Musik mit jungen Künstlern

12. Januar 2014 Finissage
Rückblick und Vorschau

Termine
Öffentliche Führungen an folgenden Sonntagen um jeweils 11.30 Uhr
7.4., 5.5., 2.6., 7.7., 4.8., 1.9., 6.10., 3.11.2013 und 5.1.2014
Für Gruppen und Einzelpersonen, Schulklassen und Kindergruppen
besteht bei telefonischer Anmeldung die Möglichkeit,jederzeit eine Führung – auch außerhalb der Öffnungszeiten –